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28 Oktober 2017

Angemerkt: Hirnfoschung (Gehirn, Nahtod)


Gedanken zu www.heise.de/tp/features/Ich-Neuron
Textauszug: „Teile des Gedächtnisses werden also im Zellkern aufbewahrt, und nicht in den Synapsen.“

Diese Erkenntnis finde ich auch im Hinblick von Nahtoderfahrungen interessant. Denn es würde bedeuten, dass Gedächtnisinhalte wesentlich breiter gefächert codiert werden könnten, als manch einer annehmen mag. Dass auch bei Ausfall entscheidender Gehirnfunktionen, bei Feststellung des Hirntods, der Organismus immer noch auf einen Speicherfundus zugreifen kann und diesen auf Umwegen in eine Matrix überführen, die den betroffenen Menschen zu motivieren vermag.

Meines Erachtens reicht es nicht aus, Leben und Bewusstsein rein über Gehirnfunktionen zu definieren und einen Menschen vorschnell für tot zu erklären, weil man bei dementsprechenden Messungen der Gehirnaktivität zu keinem positiven Ergebnis kommt.

So lange das Gehirn an einen Körper gekoppelt ist, der, wenn auch künstlich, am Leben erhalten wird, hat es Input, der verarbeitet und zu einer für es sinnmachenden Wahrnehmung codiert werden kann. Möglich, dass von außen betrachtet dieses Codierungssystem nach wissenschaftlichem und medizinischem Maßstab keinen Sinn ergeben mag und zu einem Rückschluss führen kann, ein Patient sei bereits tot. Doch kann binnen Sekunden ein ganzes Leben an einem Menschen vorüberziehen, das sich wie ein ganzes Leben anfühlen kann. Wer sind wir, zu entscheiden, wann dieser Moment für einen Organismus gekommen ist, weil das Messinstrumentarium und der menschliche Verstand der Untersuchenden eine Null-Linie codiert.

Abschließend möchte ich noch einen Blick auf manche Zeitgenossen werfen, die ihr Gehirn nach ihrem Tod konservieren lassen möchten, in der Hoffnung, dass wenn man es in ferner Zukunft, mittels revolutionärer Technologie, wieder zum Leben erwecken und in einen Körper (welcher Form auch immer) transferieren könnte, sie wieder zu klarem Bewusstsein kämen und die gleiche Person wären, wie vor dem Tod. Damit dieser Transfer Sinn machte, müssen diese Visionäre natürlich fest davon überzeugt sein, bei Wiederbeleben das gleiche ICH wahrzunehmen wie vor dem Tod. Aus oben genannter Einschätzung hege ich meine Zweifel daran. Erinnerungsvermögen, so denke ich, ist nicht nur eine Frage der Hirnfunktion, sondern auch an das Feedback des gesamten Organismus gekoppelt. Ausgehend von dieser Annahme, machte die bloße Konservierung der Gehirnstrukturen, zwecks späterer Wiedererweckung, wenig Sinn, wenn sich dadurch ein neues ICH-Bewusstsein entwickelte, das mit dem vorherigen nur die Gehirnstruktur gemein hätte. Denn dann wäre ich zwar mein Gehirn, jedoch nicht mehr mein ICH, mein Bewusstsein. Etwas Anderes wäre der Transfer des menschlichen Gehirns, bzw. Kopfes auf einen menschlichen Körper. Der menschliche Körper ist dem Gehirn ein vertrautes Gebiet. Leider wurden schrecklicherweise mit Affen schon solche Transferversuche unternommen. Sie überlebten diese Experimente nur kurz.

Natürlich konstruiert das Gehirn Körperlichkeit, kann z. Bsp. Körperteile vorgaukeln, die man gar nicht mehr hat (Stichwort Phantomschmerz), doch stützt es sich bei jedem Modell auf Erfahrungswerte. Wo keine Erfahrungsmuster, dort keine Erwartungsbilder. Wo kein sensorisches Angebot, dort keine Abbildung von der Welt und in Folge dessen eine chaotische Simulation davon (siehe Sensorische Deprivation). So darf man wohl davon ausgehen, dass das Bewusstsein oben erwähnter Visionäre vielleicht in ferner Zukunft wiedererwachen mag, doch in einer chaotischen Wahrnehmungsschleife gefangen bleibt.